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nur mal so zur Dokumentation ;)
SZ vom 05.02.2004
Spiel mit dem Wind
Ultimate Frisbee-Spieler trainieren auch im Winter im Freien
Wenn die Scheibe die Hand verlässt und für ein paar Sekunden fliegt, in der Luft liegt wie ein Ufo, „dann freue ich mich“, sagt Peter Staffansson, groß, langer blonder Zopf. Beeinflussen kann er die Flugbahn des Spielgeräts von diesem Moment an nicht mehr. Als er den Wurf gerade ausführte – das Gewicht vom rechten Bein auf das linke verlagerte, den angewinkelten Arm nach vorne bewegte und der Scheibe mit dem Handegelenk den letzten Dreh gab – da berechnete er nicht nur den Abstand zu seinem Mitspieler, der in Richtung Endzone des gegnerischen Teams gestartet ist, schon mit ein.
Er dachte auch an den Wind: Woher er kommt und wie stark er weht. Der Wind kann zum Freund oder Feind eines Ultimate Frisbee-Spielers werden. Er kann die 175 Gramm leichte Scheibe mit einem Durchmesser von 27 Zentimeter sanft tragen oder sie verwehen. Mit ihm umzugehen, muss ein Spieler genauso trainieren wie die Würfe Vorhand und Rückhand. „Das kriegt man erst mit der Zeit raus“, sagt Staffansson. „Man muss üben, üben“, sagt er. Auch im Winter, im Ultimate Frisbee die „Übergangszeit“ genannt, wie Staffansson erklärt.
Jeden Sonntagvormittag
In dieser Zeit gibt es zwar regelmäßig Turniere und Ende März eine Deutsche Meisterschaft in der Halle, doch die wichtigen Wettkämpfe finden ab Mai im Freien statt. „Wenn man bis dahin nur drinnen gespielt hat, tut man sich schwer“, sagt Staffansson. In der Halle pustet höchstens die Heizung warme Luft aus den Rohren. Da kann man das Spiel mit dem Wind nicht üben. Deshalb müssen Ultimate Frisbee-Spieler draußen spielen, auch im Winter. Eine Gruppe Spieler trifft sich dazu jeden Sonntagvormittag auf einer Wiese im Englischen Garten.
Drei Männer- und eine Frauen-Mannschaft gibt es in der Stadt, je ein Männer- und Frauenteam in Sauerlach, einem Vorort, etwa 20 Kilometer südlich von München. Doch diesmal sind nur zehn Spieler gekommen, neun Männer und eine Frau. „Wir sind ein kleiner Kreis“, sagt Staffansson. „Da kennt man die meisten Gesichter, wenn man eine Weile dabei ist.“ Der 36-Jährige ist lange dabei. Er kommt aus Schweden, und dort spielte er Ultimate Frisbee schon in der Schule.
Die Sportart ist in Skandinavien ähnlich beliebt wie in den USA, wo sie entstanden ist. In Deutschland hat Ultimate Frisbee einen relativ geringen Stellenwert, auch wenn es 80 bis 100 Teams gibt, die hauptsächlich über die Universitäten organisiert sind. Vor allem die Nachwuchsspieler fehlen. Von ihnen ist keiner da auf der Wiese im Englischen Garten; sie schlafen lieber aus am Sonntag. Die, die gekommen sind, wärmen sich auf, werfen sich eine Scheibe zu und tänzeln dabei im Kreis, damit jeder einmal mit und gegen den Wind spielt.
Fünf gegen Fünf
Nach ein paar Übungen machen sie ein Spiel. Normalerweise besteht eine Mannschaft aus sieben Spielern. Aber Fünf gegen Fünf geht auch. Die Spieler rennen schnell und passen die Scheibe hin und her, denn mit ihr in der Hand dürfen sie nicht laufen. Und immer achten sie auf den Wind, um ihre Würfe anzupassen. Das müssen sie ständig; jedesmal, wenn ein Team die Scheibe in die gegnerische Endzone gebracht und einen Punkt gemacht hat, werden die Seiten gewechselt. „Wenn ich Rückenwind habe, setzte ich mehr Kraft ein“, sagt Staffansson. Mit dem Wind im Rücken nimmt er den Schwung wieder heraus.
Als plötzlich eine Böe kommt, bricht Staffansson einen Wurf ab. Sein Gegenspieler baut sich vor ihm auf, fuchtelt mit den Armen. Staffansson macht einen Sternschritt, verschafft sich Platz, dann schaut er, spürt, wie der Wind nachlässt, und wirft die Scheibe weit in den Lauf seines Mitspielers. Der fängt den langen Pass in der Endzone. Staffansson freut sich nicht nur über einen gelungenen Wurf.
Martina Farmbauer
http://www.sueddeutsche.de/sz/lokalsport/red-artikel660/
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